STRATEGIE Preview

vorhanden, die durch eine systematische textstrukturelle Gestaltung eine differenzierte Beur teilung von Verarbeitungsprozessen oder die Bestimmung von Schweregraden einer Störung ermöglichen. Dadurch können kaum Rückschlüsse auf zugrundeliegende Schwierigkeiten und Interventionsmöglichkeiten gezogen werden (Büttner, 2014; W. Huber et al., 2013; Meteyard et al., 2015). Um nicht-aphasische zentrale neurologische Kommunikationsstörungen zu un tersuchen, steht das differenzierte Diskurs- und Textscreening MAKRO (Büttner, 2018) zur Verfügung, das jedoch keine Rückschlüsse auf die Mikrostruktur zulässt. Da Menschen mit Aphasie jedoch besonders auf dieser Repräsentationsebene Schwierigkeiten haben können, sollte auch die Mikrostruktur untersucht werden. Derzeit wird eine deutschsprachige Version der Textverständnisdiagnostik Test de Compréhension de Textes (TCT) (Chesneau, 2012) evaluiert. Mithilfe des TCT werden die Repräsentationsebenen der Mikrostruktur, der Makro struktur und des Situationsmodells überprüft und dabei auch spezifische Textmerkmale (An zahl der Mikropropositionen und die Anforderung, das Situationsmodell zu aktualisieren) be rücksichtigt. Außerdem ist eine deutschsprachige Übersetzung und Adaption des teilhabeori entierten Fragebogens zum Lesen des Comprehensive Assessment of Reading in Aphasia (CARA) (Webster et al., 2020) in Bearbeitung (Thumbeck et al., 2023). Dieser ermöglicht eine Selbsteinschätzung von Lesefähigkeiten und -aktivitäten sowie von Einstellungen zum Lesen. 4.4 Behandlung von Textverständnisstörungen bei Aphasie Methoden zur Behandlung von Textverständnisstörungen bei Aphasie lassen sich kategorisie ren in hierarchisches Lesen, lautes Lesen / Vorlesen, strategiebasierte Interventionen und kognitive Interventionen. Untersuchungen zur Wirksamkeit der unterschiedlichen Behand lungsansätze beruhen größtenteils auf (multiplen) Einzelfallstudien (Purdy et al., 2018; Watter et al., 2016). Gruppenvergleiche wurden lediglich zur Evaluierung von Oral Reading for Lan guage in Aphasia (ORLA) sowie für einen computerbasierten Ansatz mit englischsprachigen hierarchischen Aufgaben zum Lesen durchgeführt (Purdy et al., 2018). Die systematischen Reviews von Purdy et al. (2018) und Watter et al. (2016) geben einen Überblick über bisherige Wirksamkeitsnachweise. Ein abschließender Goldstandard für die Therapie kann jedoch nicht abgeleitet werden. Die häufiger untersuchten Methoden der Kategorie lautes Lesen / Vorlesen, wie z.B. ORLA, sind möglicherweise eher für schwerer betroffene Patienten geeignet, bieten jedoch vermutlich nur unzureichende Möglichkeiten, komplexere Sprach- und Informationsver arbeitungsprozesse spezifisch anzusteuern. Mit strategiebasierten Interventionen können auch kognitive Beeinträchtigungen berücksichtigt werden. Für strategiebasierte Interventionen sind zudem vergleichsweise wenige Einheiten notwendig, sodass sie eine effiziente Möglich keit zur Behandlung von Textverständnisstörungen bei Aphasien und kognitiven Kommunika tionsstörungen darstellen (Purdy et al., 2018; Watter et al., 2016). Lynch et al. (2013) zeigten,

STRATEGIE

5

 nat verlag 2026

Made with FlippingBook - Online Brochure Maker