STRATEGIE Preview

Up) wurden das Textverständnis sowie die Selbsteinschätzung der Lesefähigkeiten und Lese aktivitäten erhoben (s. Abb. 6). Das primäre Ergebnismaß war Textverständnis, das mithilfe einer deutschsprachigen Version des Test de Compréhension de Textes (Chesneau, 2012) gemessen wurde. Die Selbsteinschätzung erfolgte mit der deutschsprachigen Version des Fra gebogens zum Lesen bei Aphasie aus dem Comp rehensive Assessment of Reading in Apha sia (Thumbeck et al., 2023; Webster et al., 2020). Unmittelbar vor und nach der Therapiephase wurden außerdem Tests zu kognitiven Funktionen sowie Untertests des Makro-Screenings (Büttner, 2018) durchgeführt. Die Datenanalyse erfolgte mithilfe von Kontrastanalysen im Rah men von Varianzanalysen mit Messwiederholung. Außerdem wurden mit allen Probanden un mittelbar nach dem Therapieende semistrukturierte Abschluss-Interviews durchgeführt, die mit einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet wurden. Ergebnisse. Während der therapiefreien Wartephase (Kontrollbedingung) zeigten sich keine signifikanten Veränderungen im Textverständnis und in der Selbsteinschätzung. Nach Ab schluss der Therapiephase zeigten sich bis zu sechs Monate im Follow-Up signifikante Ver besserungen im Textverständnis (geringe Effektstärken, d = 0.35 – 0.46) und in der Selbstein schätzung der Lesefähigkeiten, der Einstellungen zum Lesen und der Leseaktivitäten (mittlere bis große Effektstärken, d = 0.68 – 0.96). Bis zu 3 Monate nach Therapieende bestand ein signifikanter Leistungsunterschied zwischen den Veränderungen im Textverständnis während der Therapiephase und der therapiefreien Wartephase, was auf therapiespezifische Effekte schließen lässt (Thumbeck et al., 2024). Die Analyse der Abschluss-Interviews zeigt, dass sich STRATEGIE auch auf die Aktivitäts- und Partizipationsebene sowie das Selbstbewusstsein und den Selbstwert auswirkt: Neben Verbesserungen auf Funktionsebene beschrieben die Probanden Verbesserungen in Leseak tivitäten (z.B. beim Lesen von Büchern, Zeitungen und Fließtext / Untertitel in Filmen und Se rien), in sprachproduktiven Aktivitäten (z.B. Verfassen von Notizen, SMS, Gedichten), in Akti vitäten im Zusammenhang mit der Sprachtherapie und in sprachunabhängigen Aktivitäten (z.B. allgemeine Verbesserung in Alltagstätigkeiten). Bezüglich der Partizipation wurden Aus wirkungen auf Arbeit und Beschäftigung, Familienbeziehungen, das soziale Leben, wirtschaft liche Eigenständigkeit und Einkaufen berichtet. Die Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass die Auswirkungen von STRATEGIE nicht bei allen Personen gleich sind. Erste Hinweise zu positiven Auswirkungen auf ausgewählte Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Inhibitionsfunktionen sollten in weiteren Studien unter sucht werden.

STRATEGIE

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 nat verlag 2026

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