STRATEGIE Preview
Freundschaftliches Necken setzt komplexe kognitive Fähigkeiten voraus, die es ermöglichen, sich in andere hineinzuversetzen und deren Erwartungen und Reaktionen vorauszusehen. Die Forscher vermuten darin auch einen der Ursprünge des Humors, der damit nicht nur dem Menschen eigen wäre. "Wir präsentieren Hinweise darauf, dass auch Menschenaffen die drei Formen des spielerischen Neckens praktizieren, die bei Kindern noch vor dem Spracherwerb zu erkennen sind", schreiben die Wissenschaftler um Erica Cartmill von der University of California in Los Angeles. Diese drei Verhaltensweisen sind zum einen das Anbieten und wieder Zurückziehen eines Gegenstands, die provokative Zuwiderhandlung sowie das mutwillige Stören der Tätigkeit eines anderen. Dabei bewegt sich die Aktivität des Handelnden auf einem schmalen Grat zwischen Aggression und Spiel, erzeugt aber positive Emotionen bei beiden Beteiligten. Kinder necken Eltern oder Spielkameraden, indem sie ihnen zum Beispiel die Hand mit einem Spielzeug oder einer Süßigkeit hinstrecken, diese aber schnell zurückziehen, wenn der andere zugreifen will. Oder sie beginnen vor den Augen der Eltern etwas zu tun, von dem sie genau wissen, dass es verboten ist. Die dritte Form der Neckerei besteht darin, dass sie jemanden bei einer Tätigkeit wie dem Schlafen oder Lesen stören. Diese Aktionen enden in allen Fällen damit, dass beide Parteien lachen und damit das Spielerische des Tuns erkennen lassen. Das kann nur dann funktionieren, wenn sich beide in die Gedanken des anderen hineinversetzen können.
STRATEGIE: TEXTSAMMLUNG
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